Gérard Bensussan
Sadisten reinen Herzens
Über den Antizionismus unserer Zeit
Aus dem Französischen von Hans-Dieter Gondek
»Des sadiques au cœur pur. Sur l’antisionisme contemporain« erschien bei Éditions Hermann Paris 2025
Gérard Bensussan ist, trotz aller deutlichen Worte gegen den einen oder anderen, alles andere als eine weitere polemische Stimme im Kulturkampf unserer Zeit um Israel, Gaza, den Libanon und das Mullahregime. Im Zentrum steht vielmehr eine geschichtlich fundierte Begriffsklärung – Zionismus, Antizionismus, Antisemitismus ... –, die verschüttete oder völlig unvermutete historische Perspektiven neu zu aktualisieren vermag.
Der Antizionismus ist zunächst einmal eine (inner-)jüdische Antwort auf das zionistische Projekt, und dieses ist nicht eo ipso auf die Gründung eines militanten Staates ausgelegt: Gérard Bensussan ruft die diversen Ansätze eines »ethischen« oder Kulturzionismus in Erinnerung, u.a.
Martin Buber mit seiner Idee einer utopisch-sozialistischen Gemeinschaft, die keineswegs die ansässigen Araber ausschließen sollte.
Von Sartre stammt die Bezeichnung für den Antisemiten als »Sadist reinen Herzens«. Der Autor knüpft daran im Willen an, die paradoxe Koalition von Unwissenheit und Unschuld bei jenen herauszustellen, die heutzutage Israel im Namen des Post- oder Dekolonialismus anprangern und als Betreiber einer neuen Kolonisierung oder gar eines Genozids bezeichnen. Wenn »Auschwitz« oder »die Kolonie« zur allgemeinen Chiffre für alles wird, was in den modernen Demokratien aus dem Ruder läuft (Agamben), geht eben jene Weltordnung unter, die »nach Auschwitz« unter dem neuen »kategorischen Imperativ« (Adorno) stehen sollte, dass alles zu tun sei, damit Auschwitz sich nicht wiederhole. Keine Scheu, die Ereignisse als eine mehr als hundertjährige Tragödie zu benennen, und auch keine Scheu vor dem palästinensischen Leid als solchem, das sich jeder politischen Inanspruchnahme entzieht.