Die Grenzen dessen, was »normal« und was »nicht normal« sei, unterliegen ständigen Verschiebungen. Normen, Vorschriften, Gesetze, gesellschaftliche Konventionen können Sicherheit geben, ermöglichen und erleichtern das Zusammenleben. Sie erzeugen aber auch Konflikte und Probleme im Falle des Übertretens oder Nicht-Entsprechens. Soziale Praxis steht in einem Spannungsverhältnis und zugleich in vielfältiger Wechselbeziehung zur Normativität.
Es geht nicht um eine starre Gegenüberstellung. Den realen Prozessen der Umsetzung von Normen wird in diesem Buch auf aktuellen wie historisch-kulturwissenschaftlichen Themenfeldern nachgegangen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Wilhelm Berger
Das nackte Leben und die fremde Hand. Zur Transformation von Normen durch
die Technologisierung des Lebens
Elisabeth Holzleithner
Rechtsnorm und Realität. Variationen zu Fragen der Rechtsgeltung, Rechtsbefolgung und Rechtsdurchsetzung in geschlechtersensiblen Kontexten
Marie Antoinette Glaser und Martin A. Schmid
»Interdisziplinierung«: Normen und Praxis im interdisziplinären Lehren und Lernen
am Beispiel des Wiener Studium Integrale
Christof Jeggle
»Arbeit« als Norm – Normierung durch »Arbeit«: Historische Perspektiven
Anton Tantner
Was ist ein Haus? Theresianisch/josephinische Gebäude-Ordnungen
Margareth Lanzinger
Heiratskontrakte – intermediär: als Form der Vermittlung zwischen gesetztem Recht,
sozialen Normen und individuellen Interessen
Günter Dinhobl
Im Namen der »Ordnung, Regelmäßigkeit und Sicherheit«. Über Vorschriften für Eisenbahnbedienstete in der Mitte des 19. Jahrhunderts
Susanne Breuss
Die Hygienisierung der Hausfrau. Zur Popularisierung moderner Sauberkeitsnormen in der Haushaltsratgeberliteratur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts
Sylvelyn Hähner-Rombach
Soziale Konstruktion von Krankheit und Gesundheit am Beispiel weiblichen Wahnsinns
Peter Becker
Auf dem Weg zur Normalität? Zur Konzeptualisierung von Kriminalität im 19. Jahrhundert
Marc-Dietrich Ohse
Politische Normierung in der geschlossenen Gesellschaft. Jugend im Schatten der Mauer
(DDR 1961–1974)
Angelika Klampfl
Normen im Jugendalltag des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts in Wien und Niederösterreich
Alexander Halpern
Das Projekt »Lido«: Jugendliche »fit machen« für Jobs
Claudia Altendorfer
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge – ein Erfahrungsbericht aus der Praxis
Zu den AutorInnen
Angelika Klampfl arbeitete als Handwerkerin und kaufmännische Angestellte, bevor sie Geschichte und Kunstgeschichte an der Universität Wien studierte. Forschungen zur Altagskultur der gegenwärtigen Jugend.
Margareth Lanzinger studierte Geschichte an der Universität Wien; ist wissenschaftliche Redakteurin der Zeitschrift L'Homme. Z.F.G (1999-2001) und Assistentin am Institut für Geschichte der Universität Wien (2002-2003); Forschungen über Ehe und Verwandschaft im alpinen Raum.